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Eine Freundin von mir findet Schildkröten sehr suspekt. „Dieser Materialmix!“, sagt sie immer, „das dürfen die doch nicht einfach so durcheinanderwürfeln!“ Ich muss sie mal fragen, was sie eigentlich von Gürteltieren hält – bei einem Säugetier finde ich diesen Materialmix aus weicher Haut und verknöchertem Panzergewebe nämlich noch viel verblüffender. Image Image Gürteltier Das Gürteltier ist ein Anachronismus. Gewissermaßen aus dem Paläozän schleppt es seinen verknöcherten Panzer bis in die gegenwärtigen Tage der Erde, und auch wenn viele Linien und die Riesenvariante längst ausgestorben sind, so hat es sich doch ein sehr ursprüngliches Aussehen bewahrt. Vor vielen Millionen Jahren trapsten bereits Gürteltiere über den Planeten, die den heutigen verblüffend ähnlich sahen. Davon lässt sich das Gürteltier kein bisschen stören. Die Welt mag sich verändert haben, aber es kommt immer noch gut darin zurecht. Es steht für die Fähigkeit, Dinge zu bewahren, sie nicht hektisch einer sich verändernden Welt anzupassen, sondern eine Nische dafür zu finden, in der sie weiterhin wertvoll sind. Das Gürteltier ist der Hüter uralter Geschichten und schlägt eine Brücke zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem – und zeigt uns, dass letzten Endes zu allen Zeiten alle lebenden Wesen auf der Suche nach ihrem Platz waren, sich also am Wesentlichen gar nicht so viel verändert hat. Es steht dafür, furchtlos und vergnügt zu tun und zu bewahren, was man mag, auch wenn es manch einem unmodern oder gar bizarr erscheinen mag. Das Gürteltier sagt: Was Du liebst, das behalte. Image