Wir haben unheimlich viele Bücher, einige davon sind doof, viele vollkommen okay, einige wirklich gut. Manche sind aber auch unverzichtbar, und über die werde ich ein bisschen erzählen. Über meine eigenen Unverzichtbaren und die des Kleinen, die ich manchmal nicht leiden kann, oft ebenfalls mag, manchmal ebenso sehr liebe wie er. Dabei lege ich den Fokus auf weniger bekannte Bücher, ab und an könnte aber auch ein Bestseller druntergeraten, wenn ich ihn sehr, sehr mag.

„Oh, Mama, du bist der beste Freund auf der Welt!“ Mit diesen Worten umarmte mich neulich unser Dreijähriger. So früh fängt es also an mit Zitaten aus ausgewählten Werken – denn diese rührenden Worte stammen aus „Wo ist Sammeli?“, einem Bilderbuch, das wir in der Bibliothek entdeckt und einige Wochen später dann antiquarisch erworben haben, weil es unverzichtbar geworden ist. Text und Bilder sind von Ilon Wikland, die über dreißig Bücher von Astrid Lindgren illustriert hat… kaum jemand, glaube ich, weiß, dass sie auch selbst welche geschrieben hat.

„Wo ist Sammeli?“ ist ein freundliches kleines Buch über einen Jungen und seinen Hund. Sammeli läuft weg, und Olle sucht ihn überall, kann ihn aber nicht finden. Kleine Leser mit guten Augen entdecken den Hund jedoch auf jedem Bild, manchmal nur eine Pfote oder die Schwanzspitze. Die Texte dazu sind schlicht und sehr kurz.

Dies ist ein Lieblingsbuch unseres Kindes, nicht unbedingt eins von meinen, obwohl ich es auch sehr mag. Wir haben viel Vergnügen daran, Sammeli immer wieder zu entdecken, und die Bilder sind so niedlich, wie man es von Ilon Wikland gewohnt ist. Mir gefällt, wie sich Olle über den Hund ärgert und an seiner Freundschaft zweifelt, weil Sammeli seinen eigenen Kopf hat, wie später der Ärger dann aber schnell wieder ganz vergessen ist. Am Ende kommt Sammeli aus seinem Versteck, es gibt Abendessen, und auf der letzten Seite umarmt Olle sein Köterchen und sagt, was mein Kleiner so zitierwürdig fand, nur eben minus Mama und plus Sammeli. Manchmal möchte der Kleine das Buch lesen, wenn er sich über unseren Hund geärgert hat. Und es stimmt ihn versöhnlich. Das ist wunderbar für alle Beteiligten, und ich mag es, wenn Bücher ohne große Kunstgriffe und Absurditäten versöhnlich stimmen.

Mutter, Kind und Hund leben in einem roten, sehr typischen schwedischen Holzhaus im Wald, einen Vater gibt es offensichtlich nicht dazu. Das wird nicht explizit erwähnt, sondern ist einfach so. Ich kann mir vorstellen, dass das ganz wohltuend ist, wenn einer kleinen Familie der Vater abhanden gekommen ist – es eröffnet für das Kind die Möglichkeit, das Thema aufzugreifen oder es ruhen zu lassen, ganz wie es mag.

Ilon Wiklands zweites Buch „Mein unglaublicher erster Schultag“ (mehr Bücher von ihr habe ich bei meiner kurzen Recherche nicht finden können) zieht auch bald in unsere kleine Bibliothek ein. Mal schauen, ob wir das auch so gern mögen.

„Wo ist Sammeli?“ ist ein schlichtes, freundliches Buch, das uns viel Vergnügen bereitet – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich bin sicher, dass es eins jener Bücher ist, die der Kleine in vielen, vielen Jahren irgendwann aus der Bücherkiste ziehen wird und sofort als früheres Lieblingsbuch erkennt. Es ist keine dringliche Empfehlung, aber für uns ist das Buch inzwischen zu etwas Besonderem geworden.