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Ich warte auf Wolle. Neue Wolle zu bekommen gehört zum Allergrößten, was das Leben zu bieten hat, von so Kleinkram wie Liebe, Kinder aufwachsen sehen, gewaltige Berge besteigen, ein Eichhörnchen streicheln, Schokolade essen und Zeitgenosse von Harry Rowohlt sein zu dürfen mal abgesehen. Irgendwo ist meine bauschige, flauschige, wundervolle graue und weiße und schwarze und knallbunte Wolle jetzt also, und ich sitze hier und warte und hoffe und freue mich – und da ich heute früh los muss, habe ich mal geschaut, ob ich rauszufinden kann, wann die erwartete Lieferzeit ist. Und fand im Link das „Life Tracking“.
Ist das gruselig, oder was? Eine Straßenkarte, ein Symbol für unser Haus, eins fürs Postauto, eine auf die Stunde genaue erwartete Zustellungszeit. Und wo ist das Postauto derzeit?
Kurz hinter der Wollkämmereistraße. Ernsthaft.

Liebes Leben, wenn es dich nicht gäbe, müsste dich einer erfinden.

hoernchen