Nach etwas längerer Blog-Abstinenz und dem Verzehr etwas zu vieler Nachrichten war mir heute Morgen um halb elf schon schwer nach Whisky zumute. Whisky übrigens, wa – immer wieder fragt mich jemand, wie man das schreibt. Wie es richtig sei. Auf diese Frage antwortet man in Irland anders als anderswo, hier besteht man aufs e: Irish Whiskey. Die Konkurrenz der erfolgreich brennenden hotten Schotten war groß, man wollte sich abgrenzen – zum Glück mit orthographischen Maßnahmen ganz ohne Waffengewalt, wie es momentan dem einen oder anderen freundlichen Menschen von nebenan so ganz spontan höchst attraktiv erscheint. In den USA findet man beide Schreibweisen, ansonsten orientiert sich der Großteil der Welt an der ursprünglicheren Schreibweise Whisky. Exkurs Ende.

Jedenfalls trinke ich nicht morgens um halb elf Whisky, auch wenn mir noch so arg danach ist, vor allem nicht, wenn ich einen mehr auf dem Terminkalender als in der Kehle brennenden Text auf dem Tisch habe. Also trinke ich Tee und dürste nach Musik. Nach solcher, die man ein bisschen brüllen und zu der man hüpfen kann (die Bedeutung der Hüpfbarkeit von Musik wird ja häufig unterschätzt). Trübtassig herumsitzen und das Schicksal der Welt beklagen stinkt mir nämlich gewaltig.
Heute also im Radio Klippspringer was für die gute Laune, ein bisschen „gutmenschlich naiv“ womöglich (komm schon, tanz einfach mit und hör auf zu schimpfen, freundlicher, ganz normaler AfD-Wähler von nebenan) – wenn ich dieses Lied höre, sehe ich meinen Vater vor mir, lebensgroß und jung und voll melancholischer, aber ungebrochener Kraft, und ich spüre die Ambivalenz der Menschheit in allen Knochen vibrieren. Wir sind hoffnungsvolle Schwarzmaler, aufrichtige Lügner, naive Wutbürger und zornige Gutmenschen. Hier und jetzt soll es mir egal sein. Ich nehme dich in den Arm, du dumme, ewig verirrte Menschheit, ich entbiete über die unterschiedlich langen Zeiten, die uns trennen, Harry Rowohlt, Astrid Lindgren, Douglas Adams, meinem Vater und so vielen anderen, die getanzt, gehofft, gedacht, geweint, gelacht und sehr unterschiedlich viel gesoffen haben, meinen innigen Gruß, höre jetzt kurz SEHR laut Musik und bin einfach nur Mensch unter Menschen. Und dann arbeite ich weiter.

Tanzt jemand mit? Die BOTS – Was wollen wir trinken

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